Schachteln basteln – Teil 1: Einführung


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Geschenkschachtel mit SchleifeSchachteln sind – wer hätte das gedacht – ein ganz schön breites Thema. Nicht nur, dass es sie in unzähligen Variationen gibt. Aber auch, weil man sie fast überall findet. Zum Beispiel in der Küche: Cornflakes, Reis, ja sogar das Salz ist in den meisten Haushalten in einer Pappschachtel zu finden. Und wenn wir schon bei Lebensmitteln sind: nicht nur Hamburger und Pizza werden in Schachteln überreicht, auch Kekse, Pralinen und sogar Tee findet man in solchen. Viele Kosmetika im Bad standen einst in Pappkarton verhüllt im Regal der Drogerie – kippsicher und stapelbar. Selbst Schuhkartons werden oft und gerne als Ordnungshelfer zweckentfremdet oder als Paket per Post verschickt…

Genug der Beispiele, denn eins ist klar: Schachteln gehören einfach zum Alltag. Warum dann noch selbst welche basteln? Die Antwort ist ganz einfach: damit Größe und Optik perfekt zum Inhalt und zum Anwendungsfall passen! Denn wer will schon einen Seidenschal in einer Reisschachtel verschenken, wenn es auch so stylisch geht?

Und das beste daran: es ist eeeigentlich ganz einfach. (Wie immer, wenn man erstmal weiß wie’s geht.) Deshalb habe ich beschlossen, eine ganze Serie von Schachtel-Tutorials vorzubereiten. Sie sollen einfach nachzuarbeiten sein und vor allem: ohne großartiges Werkzeug machbar.

Es gibt tolle Stanzen und – man muss sie fast Maschinen nennen – multifunktionelle Gerätschaften, mit denen man perfekte Geschenkschachteln selber machen kann. Die sind allerdings nicht gerade billig und lohnen sich erst, wenn man eine gewisse Stückzahl von Schachteln der gleichen Art produzieren will. Es gibt ganze Grundausstattungs-Pakete wie das Sizzix Big Shot Plus Starter-Set mit Beispielen und Anleitungen. Sogar Designerpapier ist dabei! Wer die Kosten nicht scheut ist damit sicher gut beraten, denn die Ergebnisse sehen sehr professionell aus. Natürlich kann man damit auch viel mehr machen als Schachteln auszustanzen. (Neben dem Stanzen kann die Big Shot auch zum Prägen verwendet werden). Wir begnügen uns hier aber weiterhin mit der Grundausstattung, die so ziemlich jeder zu Hause haben dürfte ;)

Wie immer in meinen Tutorials soll also auch in dieser Serie jedes Projekt…

  • möglichst einfach nachzuarbeiten sein
  • keiner besonderen Werkzeuge bedürfen
  • möglichst wenig Verschnitt verursachen

Und nicht zu vergessen, ein Punkt der mir besonders am Herzen liegt:

  • … auf Deine Bedürfnisse anpassbar sein.
    Das bedeutet für mich, dass Du beispielsweise die Anleitungen nicht millimetergenau befolgen musst, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Es soll einfach sein, die Schachteln in der Größe und teilweise auch in der Form so anzupassen, wie Du sie haben willst.

So. Das habe ich mir also vorgenommen. Bevor es losgeht, ein paar Infos vorab, die für alle Anleitungen aus der Serie „Schachteln basteln“ gelten.

Werkzeug

SchneidewerkzeugWie eingangs erwähnt werden keine besonderen Werkzeuge benötigt: keine Stanzen, kein Falzbrett und auch kein Lasercutter ;) Wer eine tolle Stanze hat oder seinen Lasercutter benutzen möchte, wird in diesem Tutorial die Grundlagen zum Aufbau verschiedener Schachtelformen lernen können. Ansonsten wird es aber nicht viel nützen.

Ein Falzbrett hingegen ist sehr, sehr hilfreich. Ich erkläre Dir gerne, wieso. Aber fangen wir erstmal mit dem an, was wir wirklich brauchen.

Schneidewerkzeug

Na logisch! Schere und Bastelmesser sowie Lineal und Schneidematte sind vom Basteln ja gar nicht wegzudenken.

Lange, gerade Schnitte lassen sich am besten mit dem Messer machen, während Rundungen und Einschnitte besser mit der Schere zu bewältigen sind.

Falzwerkzeug

Falzen ist vor dem Knicken von Tonkarton sehr wichtig, denn nur so entstehen schnurgerade Kanten ohne Beulen. Ohne Falz, d.h. einer Verdünnung des Papiers an der gewünschten Faltlinie, lässt sich eine Falte nur mit Mühe schön gerade hinbekommen. Und wir wollen ja möglichst wenig Mühe und Arbeit haben!
FalzwerkzeugeZum Falzen eignet sich so ziemlich jeder spitze, aber nicht scharfe Gegenstand, der keine Spuren hinterlässt. Etwa eine Strick- oder Häkelnadel, ein ausrangierter Kuli, der nicht mehr schreibt oder eben ein richtiges Falzwerkzeug.

Ich persönlich arbeite nicht so gerne mit einem Falzbein, da mir die Falz zu breit erscheint. Deshalb bevorzuge ich einen so genannten Spot Swirl, den ich eigentlich vom Nageldesign her kenne. Nach einiger Recherche habe ich endlich herausgefunden, dass man diesen „Kugelpinsel“ vor allem unter dem Begriff „Prägestift“ findet. Die Kugeln gibt es in verschiedenen Größen – das Ergebnis ist aber bei jeder so ziemlich das gleiche. So ein Prägestift ist ein sehr günstiges Werkzeug mit mehreren Einsatzmöglichkeiten – wirklich eine lohnenswerte Investition.

Das Falzbein an sich benutze ich nach dem Falzen und Knicken des Papiers, um die Falte nochmal ordentlich platt zu drücken. Das ist sehr wichtig bei der Gestaltung von Karten. Bei den Schachteln, um die es bei uns geht, sind extrem spitze Kanten aber eher unerwünscht, denn hier schadet zu viel Druck der Optik. Ein weiterer wichtiger Punkt: das Ausstreichen der Kante mit der Seite des Falzbeins verursacht bei Tonkarton leider sehr unschöne Glanzstellen! Deshalb solltest Du unbedingt ein Blatt Papier dazwischen legen, denn den Glanz bekommst Du kaum mehr weg.

Falz

Beispiele für eine gelungene und zwei weniger gute Kanten

Auf dem Foto siehst Du drei gefalzte und geknickte Rechtecke aus Tonkarton. Ein typisches Beispiel für selbst gemachte Rohlinge für Klappkarten wie man sie z.B. für Einladungen oder Glückwünsche braucht.

  1. Ganz links: eine saubere Falz, mittig platziert und mit den Händen gefaltet. So sollen auch die Kanten für unsere Schachteln aussehen.
  2. In der Mitte ein Exemplar, das auch in der Mitte mit einem Prägestift gefalzt, dann aber mit dem Falzbein nachgearbeitet wurde. D.h. der Knick wurde nachträglich ordentlich platt gedrückt. Aber man sieht sofort: die Ecken liegen nicht aufeinander – die Falz ist schief! Das passiert leider (wenn auch nicht in dem übertriebenen Ausmaß wie hier dargestellt), wenn man die Falzlinie durch Messen des Abstandes vom Rand bestimmt und dabei nicht ganz genau ist. Schon 1 Millimeter Abweichung auf einem DIN A5 Blatt genügt, um die Kanten der zusammengeklappten Karte auseinander driften zu lassen. Jetzt kann man nur noch versuchen, die Kante zu korrigieren oder die Kanten parallel zu schneiden.
    Besser ist es natürlich, die Falz gleich gerade zu bekommen. Um nicht immer und immer wieder millimetergenau messen zu müssen, kann man sich mit Schablonen behelfen. Der Aufwand, Pappstücke in der richtigen Breite herzustellen, die man dann als Lineal benutzt, lohnt sich natürlich nur, wenn man mehrfach den gleichen Abstand braucht. Wenn Du z.B. einen Satz Hochzeitseinladungen selber machen möchtest, schneidest Du ein Stück Pappe in der Größe eines halben DIN A5 Blattes aus und bist dabei seeeeehr exakt. Jetzt benutzt Du die Pappe, um die Falzlinie zu markieren. Zum Falzen selbst solltest Du aber ein Lineal benutzen und aufpassen, dass es vor lauter Eifer nicht verrutscht ;)
    Falzen auf dem FalzbrettDer ganze Aufwand mit Messen sowie Lineal anlegen und festhalten erübrigt sich, sobald man sich ein Falzbrett zugelegt hat. Mit ein bisschen Übung (am besten mit normalem Kopierpapier beginnen, da sieht man die Linien durch’s Papier und kann ihnen besser folgen) dauert es nur einige Sekunden, eine perfekte Falz an der richtigen Stelle zu ziehen. Ich habe nie bereut, mir mein Martha Stewart Scoring Board zugelegt zu haben. Wenn Du auch mit dem Gedanken spielst, Dir so etwas zu kaufen, achte darauf, dass es die verschiedensten Falzbrettergibt. Einige Wenige haben eine metrische Einteilung (Zentimeter), die meisten rechnen aber mit Inches! Das ist sehr gewöhnungsbedürftig – allein dazu müsste ich mal einen Beitrag schreiben… Neben der Geschwindigkeit hat das Falzbrett noch einen entscheidenden Vorteil: die Falzlinien werden immer parallel!
  3. Ganz rechts im Bild noch ein weiteres Beispiel für eine Falz, die nicht ganz gelungen ist. Erstens ist es nicht gefalzt, sondern direkt genickt. Man kann es auf dem Foto leider nicht besonders gut erkennen, aber es entstehen unschöne Wülste im Papier, die es bei einer gefalzten Kante nicht gibt.
    Außerdem habe ich mit dem Falzbein direkt über die Kante gestrichen: es ist der unschöne Glanz entstanden, den ich bereits angesprochen habe. Eine solche Karte würde ich zu Weihnachten nicht verschicken wollen…

Kleber

Ich habe Kleben nie gemocht. Immer gab es verschmierte Tische, klebrige Finger und unschöne Resultate. Das lag natürlich daran, da Klebestifte oder, im schlimmsten Fall, flüssiger Papierkleber verwendet wurde. Jedes Mal lief am Rand etwas heraus oder ich bin mit dem Stift über’s Ziel hinausgeschossen und schon war das Zeug überall dort, wo es nicht hingehörte.

KleberollerDas brauchen wir uns wirklich nicht anzutun, denn es gibt heutzutage Kleberoller und doppelseitiges Klebeband. Auch wenn Du sonst alles notwendige zu Hause hast – das allein wäre für mich ein Grund, Dich nochmal zum Einkaufen zu schicken, bevor Du mit dem Basteln anfängst. Es lohnt sich schon aus den folgenden Gründen:

  • Rollkleber und doppelseitiges Klebeband kleben sofort. Kein Festhalten, kein Warten und vor allem: kein Verrutschen der zusammengefügten Teile!
  • Es quillt seitlich nichts mehr heraus, somit gibt es keine unschönen Kleberreste und Glanzstellen.
  • Man kann gerade, lange Linien genau am Rand des Papiers ziehen, ohne über den Rand hinaus zu malen – deshalb braucht man auch keine Unterlage. Das kann eine Menge Zeitungspapier sparen – und Nerven. Denn man muss nicht vor jedem Klebevorgang eine saubere Stelle auf der Unterlage suchen. Oder sich ärgern, dass man eine klebrige Stelle erwischt hat…

Was Du nun nimmst – Kleberoller oder Doppelseitiges Klebeband sei ganz Dir überlassen. Das Klebeband lässt sich sehr präzise aufkleben, erfordert aber zwei zusätzliche Arbeitsschritte – nämlich das Abschneiden sowie das Abziehen der Folie von der Rückseite. Mit dem Kleberoller geht es schneller und viel Präzision braucht man für die Schachteln nun wirklich nicht. Höchstens für die Deko – was mich gleich zum nächsten Punkt bringt.

Material und Dekoration

Ich benutze für die Schachteln Tonkarton und Motivkarton. Solltest Du festeres oder dünneres Material benutzen wollen, probiere es am besten an einer kleinen, einfachen Probeschachtel aus. Ist es stabil genug? Werden die Klebestellen nicht zu dick? Lassen sich die Kanten ordentlich falten? Die Grundform in einer x-beliebigen Größe nachzubasteln dauert nur einige Minuten und probieren geht ja bekanntlich über studieren ;)

Wenn Du statt Motivkarton schönes Papier hast, das Deine Schachtel zieren soll, bitte sehe davon ab, es vorher auf Karton zu kleben. So leid es mir tut – es wird nichts. Wie Du Dein Papier doch noch auf die Schachtel bekommst, und zwar so, dass es am Ende auch wirklich gut aussieht, zeige ich Dir in einem Extra-Beitrag zum Thema Deko.

Apropos! Natürlich kann man auf jede Art von Schachtel eine Schleife oder ein Satinband kleben. Deshalb lege ich bei den einzelnen Tutorials dieser Serie kein besonderes Augenmerk auf die vielen Dekorationsmöglichkeiten. Wenn man allerdings schon vor dem Zusammenkleben der Teile einen Arbeitsschritt machen muss, der für die spätere Dekoration nötig ist, weise ich an der einen oder anderen Stelle darauf hin.

Ich gehe dann mal Schachteln basteln

Schachteln sind wunderbar für kleine Dinge

Gut, dass die Schachteln nicht nur für Geschenke, sondern auch für allerlei Kleinkram bestens geeignet sind. So kann ich einige der Beispiel-Exemplare nämlich für mich behalten =)

Solange ich am basteln und Tutorials schreiben bin, kannst Du Dir meine Anleitung zum Basteln von Papiertüten zu Gemüte führen. Auch darin kann man nämlich wunderbar Geschenke verpacken.

Dann also bis bald! Wenn Du den nächsten Beitrag zum Thema Schachteln basteln nicht verpassen willst, kannst Du diesen Blog einfach abonnieren, dann bekommst Du eine Info per Mail.

Hier geht es weiter zu Schachteln basteln – Teil 2: Würfel und Quader

 

 

 

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