Brush-Lettering: erste Schritte


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Lektion 1

Du hast Dich also dazu entschieden, Brush-Lettering auszuprobieren. Eine gute Entscheidung! Denn sobald Du den ersten Schritt getan hast, wirst Du immer wieder Gelegenheiten finden, Brush Lettering anzuwenden und so auch immer wieder zu üben. An Feiertagen, wenn Du Geschenke verpackst, Briefe oder Pakete verschickst oder Marmelade gekocht hast: immer wieder gibt es Beschriftungen, Adressen oder Namen, die auf Geschenkanhänger, Briefumschläge oder Tischkarten gelettert werden können. Es macht so eine Freude, etwas schönes zu erschaffen – nicht nur für Dich, sondern auch beim Empfänger Deines Kunstwerkes. Es ist ein besonders schöner Aspekt dieser Kunstform, dass sie sich so wunderbar in den Alltag integrieren lässt.

Dabei braucht es keine Perfektion, denn allein, sich die Mühe zu geben, etwas zu lettern, zählt schon. Setze Dich dabei nicht unter Druck, sondern verwende das Lettering als eine eigene Entspannungsmöglichkeit. Und jetzt geht es endlich los!

Das nötige Equipment

Bevor wir beginnen können, brauchen wir zumindest einen einzigen Brush pen (Pinselstift). Ja, einer reicht erstmal! Damit kommst Du schon sehr weit – der Wunsch nach weiteren Größen und Farben wird sicherlich auch bei Dir aufkommen, aber halten wir es an dieser Stelle einfach. Um zu beginnen, besorge Dir bitte einen der folgenden Stifte:

Tombow Fudenosuke mit weicher Spitze

Tombow Fudenosuke

Einer der beliebtesten Stifte beim Brush-Lettering: der Tombow Fudenosuke © Bunte Galerie

Pentel touch sign pen mit Pinselspitze (Brush Tip) – den gibt es auch in verschiedenen Farben im Sechserpack

Pentel Sign Pens

Pentel Touch Pen – oben mit Pinselspitze, unten mit normaler Filz-Spitze. Bitte nicht verwechseln!
©Bunte Galerie

Es gibt eine Vielzahl von Stiften mit Pinselspitze, deren Schreibspitze deutlich größer ist als die der oben genannten Stifte. Ich finde diese für den Beginn etwas zu groß, denn Du musst damit auch gleich viel größer schreiben. Um das Prinzip der Brush-Letterings zu lernen. sollte man meiner Meinung nach nicht zu viel auf einmal beachten müssen – und Papier spart es auch ;) Aber die Stifte sind nicht nur gut für Anfänger, auch Fortgeschrittene greifen immer wieder zu diesen Stiften. Sie sind also auch längerfristig eine gute Investition. Zumindest, bis die Tinte alle ist ;)

Das Papier selbst ist an dieser Stelle zweitrangig. Du kannst mit normalem Druckerpapier beginnen. Aber wenn Du schon dabei bist, Dir einen Stift online zu bestellen, kannst Du  Versandkosten sparen, wenn Du diesen Block gleich dazu bestellst: den Rhodia DotPad. Das Besondere an diesem Block sind die Punkte, die Dir beim gleichmäßigen Lettern helfen. Die Buchstaben müssen nicht exakt gleich werden. Aber die meisten von uns, mich eingeschlossen, tendieren dazu, groß zu beginnen und am Ende der Zeile immer kleiner zu werden. Oder aber die Schrift rutscht ab und man schreibt immer tiefer. Um dem von Beginn an entgegen zu wirken und sich eine gleichmäßige Schriftgröße anzugewöhnen, übe am besten immer auf dem Rhodia Dot Pad.

Falls Du Sorge hast, dass von dem rauhen Druckerpapier Deine Stifte ausfransen: die Stifte, die ich dir hier empfehle (siehe oben), sind nicht ganz so empfindlich wie ihre größeren Verwandten mit der soften Filz-Spitze. Du kannst sie trotzdem schonen und von Anfang an glattes Papier verwenden, wie zum Beispiel das bei Letterern sehr beliebte Clairefontaine Druckerpapier. Ich selbst benutze es auch sehr gerne.

Das A und O beim Brushlettering

Das wohl aller, allerwichtigste beim Brush-Lettering ist die Kombination von dicken und dünnen Linien. Gerade deshalb brauchen wir auch einen Brushpen: er kann sowohl dick als auch dünn schreiben. Je fester man aufdrückt, desto dicker wird die Linie.

Du sollst bestenfalls genau zwei Strickstärken erreichen: dick und dünn. Je gleichmäßiger Dir das gelingt, desto stimmiger wird das Schriftbild. Es gibt dabei (erstmal) nur eine Regel zu beachten:

 Abwärts schreiben heißt dick schreiben, also fest aufdrücken

 Aufwärts schreiben heißt dünn schreiben, also zart aufdrücken

Also los, probiere es aus!

Übung 1:

Zeichne einige parallele Abwärtslinien, dann einige parallele Aufwärtslinien. Es sollte in etwa so aussehen:

dicker Abstrich, dünner Aufstrich

Versuche, die dicken und dünnen Linien jeweils in der gleichen Strichstärke hinzubekommen. Auch der Abstand und die Länge sollten in Etwa gleich sein. Das ist eine gute Übung zum Warmwerden, mit der Du jedes Lettering beginnen solltest. Schreibe bitte mindestens eine ganze Zeile mit diesen Linien voll, bevor Du weiter liest.

Wenn Du fertig mit der Zeile bist, achte mal auf Deine Körperhaltung und die Lage des Papiers vor Dir. Wann und wie oft hast Du Deinen Handballen über das Papier bewegt? Ist etwas verwischt? Sind die Linien am Ende kleiner geworden oder sind von der Zeile abgerutscht?

Üben, üben, üben

ÜbungsstricheDie nötige Übung ist die wichtigste Lektion im Kapitel „Erste Schritte beim Brush-Lettering“. Denke immer daran: es geht dick abwärts und dünn wieder hoch. Die Übergänge dazwischen schön hinzubekommen braucht Übung, und die solltest Du Dir gönnen, bevor du an die einzelnen Buchstaben oder gar Wörter herangehst. Dafür eignen sich die Linien, die Du im Bild siehst, besonders gut. Das Gute daran ist: aus diesen Linien kannst Du bereits ein ganzes Alphabet konstruieren! 

Setze Dich zum Üben bitte an einen Tisch – auf dem Schoß kann man wirklich kein gutes Lettering lernen. Stelle sicher, dass Du genug Platz hast, um Dein Papier bzw. Deinen Block drehen und wenden zu können, wie es Dir gefällt. Sollte Dein Tisch eine rauhe oder ungleichmäßige Oberfläche haben, lege bitte eine glatte Unterlage unter Dein Papier.

Deine Füße sollten beide auf dem Boden stehen. Im Laufe der Zeit wirst Du sicher eine bequeme Position finden und bei der ganzen Konzentration auf das Lettern die Füße verschränken, den Rücken beugen und mit der Nase fast auf dem Tisch landen ;) Kontrolliere zwischendurch deshalb immer wieder deine Haltung und korrigiere sie gegebenenfalls.

Das Papier, auf dem Du schreiben willst, muss nicht unbedingt parallel zur Tischkante liegen. Ganz im Gegenteil! Je mehr Du es gegen den Uhrzeigersinn drehst, desto mehr Neigung bekommt Deine Schrift. Das kann durchaus erwünscht sein. Ich empfehle Dir, den Abwärts-Strich immer in Deine Richtung zu machen. Du ziehst den Stift also immer in Richtung Deiner Brust. Je mehr Du das Papier vor dem Schreiben drehst, desto mehr Neigung bekommt Dein Strich, solange Du die Grundlinie beibehältst.

  Die Grundlinie ist die Linie, auf der Du schreibst. Wenn Du also ein liniertes Blatt Papier hast und ganz normal schreibst, wie in der Schule, dann ist jede der Linien eine Grundlinie. Bei gepunktetem Papier versuchst Du immer, in einer Zeile zu bleiben, Du „denkst“ Dir die Grundlinie also.

Übung 2:

Zeichne die Linien aus dem folgenden Bild. Beachte dabei bitte Deine Körperhaltung, die Lage des Papiers und natürlich das Ergebnis. Sicher wirst Du mit der Haltung des Stiftes ein bisschen experimentieren wollen. Ich empfehle Dir für diese Übung eine möglichst natürliche Stifthaltung.

Du kannst Dir auch das folgende Worksheet ausdrucken und darauf üben. (Rechte Maustaste -> Drucken oder zuerst das Bild speichern und dann ausdrucken). Wiederhole jede Linie so oft, bis es Dir in Fleisch und Blut übergegangen ist und Du mit dem Aussehen Deiner Übergänge zufrieden bist. Um von der dicken in die dünne Linie überzugehen, musst Du den Stift bereits anheben, bevor Du die Richtung wechselst. Hast Du das bemerkt?

Worksheet mit Übungslinien

Es ist nicht nur gut, das jeden Tag ein paar Minuten lang zu üben (besser, als einmal die Woche eine Stunde lang!). Du solltest diese Linien sogar vor jedem Lettering ein paar Mal zeichnen, um wieder in den Fluß zu kommen. Merke Dir diese Linien, es sind die Basisstriche (oder Grundstriche) für das Brush Lettering.

Lettern lernen - Bunte Galerie

 

Hier geht es weiter mit dem Alphabet der Kleinbuchstaben. Du lernst, das ganze Alphabet aus Basisstrichen zusammensetzen. Dazu gibt es Worksheets und ein Video, indem ich Dir alles nochmal erkläre. Bis dahin: viel Spaß beim Üben!

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2 Gedanken zu “Brush-Lettering: erste Schritte

  • Dominique

    Guten Tag
    Eine Frage habe ich betreffend Brush lettering. Ich bin Anfänger und habe mir den Edding brush pen 1340 mit variabler Spitze bestellt.
    kann ich den trotzdem gebrauchen? Sah erst später dass es noch eine andere Ausführung gab.

    Für deine Antwort danke ich dir.

    Freundliche Grüsse

    • Ludmila Blum Autor des Beitrags

      Hallo Dominique,

      der edding Brush Pen ist bestens für das Brush Lettering geeignet! Er ist etwas dicker als die Pentel und Fudenosuke Stifte mit Acrylspitze. Aber der Effekt bei stärkerem Aufdrücken ist derselbe: der Strich wird dicker. Somit hast Du ein sehr gutes Lettering-Werkzeug in der Hand – benutze aber glattes Papier, damit der Stift auch möglichst lange hält.

      Viel Spaß beim üben!

      LG Ludmila