Brush-Lettering: von Basisstrichen zum Alphabet


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Lektion 2

wer nicht wagt der nicht gewinnt - Hand Lettering (Brush Lettering)

Nachdem Du hoffentlich Deine Übungen aus dem Beitrag Brush-Lettering: erste Schritte fleißig durchgeführt hast, wollen wir beginnen, das Alphabet zu malen. Ja, richtig gelesen: die Buchstaben werden gemalt, nicht etwa geschrieben. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn es gibt wesentliche Unterschiede zwischen dem Schreiben, wie man es üblicherweise mit Stift und Papier tut und dem, was wir Brush-Lettering nennen:

  1. die Zeit. Ein einziges Wort zu lettern kann so lange dauern, wie einen ganzen Brief zu schreiben. Je nachdem, wie geübt du schon bist, wirst Du mehrere Anläufe brauchen, um mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Aber auch wenn Du nur eine einzige Version Deines Letterings erstellst: da jeder Strich bewußt und mit Bedacht ausgeführt wird, ist Brush-Lettering eine eher langsame und deshalb auch wunderbar entspannende Tätigkeit.
  2. die Regeln. Beim Brush-Lettering sind – im Gegensatz zum Aufsatz-Schreiben in der Schule, durchaus Fehler erlaubt. Groß- und Kleinschreibung beispielsweise dürfen durcheinander gewürfelt werden, was das Zeug hält. Was wichtig ist, darf gerne in Großbuchstaben geschrieben werden. Aber auch Großbuchstaben mitten im Wort sind erlaubt, denn das hat visuell seinen ganz eigenen Reiz! Außerdem werden Punkte und Kommata gerne mal weg gelassen, wenn es der Optik gut tut. Von doppelten und dreifachen Ausrufezeichen ganz zu schweigen!!!
  3. der Inhalt. Natürlich kannst Du auch Deinen Einkaufszettel im Brush-Lettering Stil gestalten. Das ist eine super Übung und Du kannst ihn immer wieder verwenden ;) Abgesehen von Übungsexemplaren werden beim Lettering aber gerne Texte gewählt, die eine besondere Bedeutung haben. Oft sind das Zitate und Sprüche, aber auch Bibelverse und sogar eigens für das Lettering erfundene Worte. 
  4. das Ergebnis. Letterings sind Kunst: würdig, gesammelt, ausgestellt oder verschenkt zu werden. Was nur so dahin gekrakelt ist, kannst Du am Computer abtippen oder auch ins Altpapier werfen, wenn die Nachricht seinen Empfänger erreicht hat. Deine Letterings hingegen solltest Du behalten. Auch den allerersten, zweiten und dritten – selbst wenn Du es nicht als hundertprozentig gelungen empfindest. Schon bald wirst Du einen riesigen Fortschritt erkennen, wenn Du aktuelle Letterings mit älteren Versionen vergleichst. Am besten, Du legst Dir gleich eine Mappe oder einen Ordner an.

Das Alphabet konstruieren

a, b, c – die Katze lief im Schnee

Wir beginnen unsere ABC mit Kleinbuchstaben. Die dafür notwendigen Basisstriche hast Du bereits in Teil „Erste Schritte“ kennengelernt. Die Buchstaben lassen sich aus mehreren einzelnen Strichzügen zusammenstellen. Und so zeichnen wir die Linien auch: einzeln. Das bedeutet, das wir den Stift nach jedem Strich hochnehmen, kurz inne halten und erst dann bewußt den nächsten Strich setzen. Probiere das mal mit dem kleinen ‚a‘ und versuche dabei, die erste Linie nicht mit der zweiten zu übermalen, sondern sie nur leicht zu berühren.

Brush-Lettering: Kleinbuchstabe a aus Basisstrichen

Wie Du siehst, lässt sich das a aus dem offenen Oval und einem kurzen Strich konstruieren. Das Oval dient auch gleich als c. Malst Du das Oval aber anders herum und kombinierst es mit einem längeren Strich, hast Du ein kleines b! Im Worksheet, dass Du unten herunterladen kannst, kannst Du das übrigens auch noch einmal nachvollziehen und vor allem selber machen.

Brush-Lettering: Kleinbuchstabe b aus Basisstrichen

So kannst Du das Spiel eine ganze Weile weiter treiben. Einige Buchstaben lassen sich allein aus Ovalen und geraden Strichen aufbauen. Bei anderen brauchst Du noch einige zusätzliche Striche. Im Worksheet findest Du alle Buchstaben des Alphabets.

Brush-Lettering: Kleinbuchstabe d g und h. So wird aus ein paar Strichen das Alphabet konstruiert.

So wird aus ein paar Strichen das ganze Alphabet konstruiert.

Und nun erkläre ich Dir auch, warum ich so darauf herumreite, dass Du das Alphabet aus Basisstrichen zusammensetzen kannst.

Warum es so wichtig ist, die Basisstriche zu beherrschen

Dein Brush-Lettering sieht umso besser aus, je konsistenter Du beim Malen der Buchstaben, oder besser gesagt, der Grundstriche bist. Um das zu erreichen, ist das Allerwichtigste, zuerst den dicken Abstrich und den dünnen Aufstrich zu beherrschen. Mit etwas Übung passiert es ganz automatisch: du drückst beim Abwärtsmalen fester auf und lockerst den Druck, sobald du den Stift wieder nach oben bewegen willst. Herzlichen Glückwunsch, damit hast Du das erste Etappenziel erreicht!

Falls Deine Linien zittrig oder ausgefranst sind: mach Dir darüber jetzt keine Gedanken, darum kümmern wir uns später. Jetzt geht es erst einmal um das nächste Etappenziel. Und das heißt: Konsistenz

Die nötige Konsistenz erreichst Du genau dann, wenn Deine Basisstriche gleich aussehen! Dort, wo du den selben Basisstrich verwendest, also beispielsweise das Oval für das a, b, c, d und o sollte die Optik stets die gleiche sein. Wenn Du das Oval also oft genug geübt hast, werden diese Buchstaben auch sehr ähnlich sein. Das gleiche gilt für alle anderen Striche.

Konsistenz

Konsistenz

Dein Lettering wird umso besser aussehen, je konsistenter, also gleichmäßiger Du die Striche ausführst. Wenn Du mehr als einen Buchstaben letterst, sprich: ganze Worte oder Sätze schreibst, müssen die Striche schließlich zusammen passen. Je ähnlicher sie sind, desto stimmiger wirkt das Schriftbild. Es gibt drei wesentliche Merkmale, auf die Du bei jedem Strich achten musst:

  1. den Winkel
  2. die Höhe
  3. die Breite

Im Bild oben siehst Du, was passiert, wenn Du nur einen der Merkmale vernachlässigst. Das erste Wort „Konsistenz“ im Bild wirkt stimmig. Das zweite sieht vielleicht spannender aus, aber es wirkt wenig elegant. Hier sind die Winkel jeglicher Striche völlig durcheinander geraten. Beim nächsten Beispiel sind die Buchstaben unterschiedlich groß – und das völlig wirr, es passt nichts zusammen. Natürlich kann man die Größe variieren – aber dazu kommen wir später.

Die letzten beiden Beispiele im Bild „Konsistenz“ zeigen, dass die Breite nicht eingehalten wurde. D.h. die Buchstaben sind mal breiter, mal schmaler geworden, weil die Basisstriche inkonsistent gezeichnet wurden. Auch die Verbindungsstriche zwischen den Buchstaben sind mal so, mal so. Das sieht einfach nicht gut aus.

Das dritte Merkmal, die Breite, kann man übrigens auch auf die Strichstärke beziehen. Alle, ja wirklich alle Abstriche sollten gleich dick sein. Und das über die gesamte Strecke. Der Strich darf also nicht in der Mitte schmaler werden oder sich nach unten hin verjüngen. Ausnahmen bestätigen die Regel – natürlich kann man hier Varianz hinein bringen, aber dann bitte konsistent! Die Aufstriche gleichmäßig hinzubekommen ist noch eine Ecke schwieriger. Halte Dich damit am Anfang nicht zu lange auf. Das kommt mit der Übung ganz automatisch. Und ich verrate Dir später noch ein paar Tricks, damit die dünnen Linien noch etwas besser werden.

Das kleine Alphabet aus Basisstrichen

Aus immer wieder den gleichen Strichen lässt sich das ganze Alphabet konstruieren – und sieht dabei gleich harmonisch aus.

 

Es mag sein, dass es für Dich nicht nach Brush-Lettering klingt, alles gleichmäßig machen zu müssen. Aber wenn Du bei den Basics gut aufpasst und jetzt schon übst, was das Zeug hält, dann wird der nächste Schritt für Dich ein Leichtes sein. Schon bald werden wir variieren und frei sein, verzieren und dekorieren wie es uns gefällt. Bis dahin nehme Dir bitte noch einmal die Basisstriche vor und baue Dir das kleine Alphabet zusammen. Dafür habe ich Dir Worksheets vorbereitet, die Du die unten herunterladen kannst. Übe erst mit den Übungsblättern, indem Du die grauen Striche nachzeichnest und sie dann selber nachahmst. Anschließend konstruierst Du aus den Basisstrichen jeden einzelnen Buchstaben, so wie ich es auch im Video unten zeige.

 Tipp: Nachdem Du die Worksheets durchgearbeitet hast, lettere das ganze Alphabet auf ein Blatt Papier (natürlich erst, nachdem Du Dich mit ein paar Basisstrichen aufgewärmt hast). Wiederhole das jeden Tag  auf einem neuen Blatt. Denke dabei daran, konsistent zu bleiben: im Winkel, in der Höhe und in der Breite. Wenn Du es schaffst, gleichmäßig die gleichen Formen zu malen und stimmige Buchstaben zu lettern, bist Du bereit für die nächste Stufe. Nächsten Sonntag geht es weiter – werfe bis dahin keines Deiner Alphabet-Blätter weg!

Download: Worksheet zum Konstruieren des Alphabets


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Wie Du mit den Worksheets arbeiten kannst, zeige ich Dir in dem folgenden Video. Wenn es Dir gefällt, gib mir doch einen Daumen hoch und schenke mir einen Kommentar!

 

 

Und hier zeige ich Dir, wie ich mit dem edding Brushpen ein einfaches Alphabet male. Ganz langsam, Strich für Strich, damit Du Dir die Details genau ansehen kannst.

 

 

Natürlich habe ich auch die Großbuchstaben nicht vergessen:
 

 

Hat’s geklappt?

Lass mich wissen, wie es Dir geht! Hast Du einen Brushpen und übst fleißig? Bist Du mit Deinen Ergebnissen zufrieden oder ärgert Dich etwas? Sag mir, was Du gut oder schlecht findest, was Dir fehlt oder was Du gerne als nächstes lernen würdest – gerne unten im Kommentar.

Ich danke Dir!

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6 Gedanken zu “Brush-Lettering: von Basisstrichen zum Alphabet

  • Grit Reutner

    Hallo Ludmila. Du erklärst es wunderbar und ich folge mit Begeisterung deinen Videos. Leider kann ich mir das Worksheet zum Konstruieren des Alphabets nicht herunterladen :-( Mach ich etwas falsch? LG Grit

  • M.B.

    Hallo Ludmila.
    Mit wachsender Begeisterung lese ich Ihre Beiträge, Hinweise und Tips zum Handlettering. Ich würde ja auch gerne üben, aber ich kann nirgendwo dieses Worksheet herunter laden. Außerdem ist an der Stelle des Videos ein großer weißer Fleck. Also irgend etwas stimmt da nicht. Bitte lassen Sie mich wissen, ob ich zu dumm bin, oder wo der Fehler liegt. Vielen Dank im voraus.

    Herzlichst Ihre
    M. B.

    • Ludmila Blum Autor des Beitrags

      Liebe M.B.

      vielen, vielen Dank für den Hinweis – da habe ich einen Fehler gemacht und nach einigem Haare-raufen auch behoben! Bitte probieren Sie es nochmal, jetzt müssten sowohl das Worksheet als auch das Video sein, wo sie hingehören!

      Viel Spaß beim Üben und liebe Grüße

      Ludmila