Bounce Lettering


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Ein wesentlicher Aspekt beim Brush-Lettering ist die Freiheit, die Buchstaben so zu malen, wie man möchte. Und das gilt nicht nur für die Form der einzelnen Basisstriche, für die Schnörkel und Schlaufen und Buchstabenverbindungen, sondern auch für die Position der Buchstaben! Man braucht sie nicht wie in der Grundschule brav auf die gerade verlaufende Schriftlinie zu setzen. Und das macht die Sache so spannend – aber auch schwer zu beherrschen. In dieser Lektion möchte ich Dir Wege zeigen, die Lage der Buchstaben so zu variieren, dass es optisch auch etwas hermacht!

Bounce Lettering Workshop

Bounce heißt im Englischen springen oder hüpfen. Die Buchstaben sollen also durch die Gegend hopsen – oder, was mir besser gefällt: tanzen. Ich liebe tanzen – jahrelang habe ich in einer Lateinformation getanzt, auch dem Tango Argentino bin ich verfallen und war oft zwei Mal pro Woche auf der Tanzfläche anzutreffen. Eine der Grundregeln bei allen Lateinamerikanischen Tänzen ebenso wie beim Standardtanz: den Körper gerade halten. Kopf hoch, Rücken gerade – bloß nicht in sich zusammensacken. Das gilt auch für unsere Buchstaben! Sie dürfen durchaus in Schräglage, also kursiv gemalt werden. Aber, wie wir schon in den vorausgegangenen Kapiteln gelernt haben, ist ein wesentlicher Aspekt eines optisch ansprechenden Letterings die Konsistenz. Für uns heißt das: die Winkel der Abstriche bzw. die Achse der Ovale in unserem Lettering sollen möglichst parallel verlaufen.

Mit diesem Wissen legen wir jetzt wir den Grundschritt auf’s Parkett:

Lettern auf der Grundlinie

Tango Argentino auf einer geraden Grundlinie. Die Buchstaben stehen relativ senkrecht, sind nur ein Wenig nach rechts geneigt. Soweit, so gut, das sieht jetzt eher unspektakulär auf, aber darauf lässt sich aufbauen. Jetzt nehme ich mal eine wellenförmige Grundlinie – und zeige Dir, was Du bitte NICHT tun solltest:Falsche Winkel beim Lettern auf gewellter Grundlinie

Wie die Blümchen auf der Wiese stehen die Buchstaben Kerzengerade – auf dem Boden, also der Wellenlinie. Dadurch hat jeder einzelne Buchstabe einen anderen Winkel relativ zum Blatt – oder, was wichtiger ist: relativ zum Betrachter. Da ist keine Abstrich, keine Achse parallel – alles verläuft kreuz und quer. Die Buchstaben wirken dadurch sehr durcheinander, lassen sich schwer lesen und sind zudem furchtbar schwierig zu verbinden. So sieht kein gelungenes Bounce Lettering aus! Statt Tango Argentino tanzt hier jemand besoffen als letzter auf der Party.

Behalten wir aber die Wellenförmige Grundlinie bei und halten uns diesmal an die Regel der Konsistenten Winkel. Nun lasse ich die Buchstaben alle aufrecht stehen – und siehe da: jetzt kann man den Tanz wieder erkennen! 

Lettern auf gewellter Grundlinie

Betrachten wir nun mal die Buchstaben selbst. Alle Buchstaben, die sich aus mehreren Strichen zusammensetzen, kann man in sich ja auch schon tanzen lassen. Das heißt, dass ein Strich nicht auf der gleichen Höhe sitzen muss wie der andere. Hier ein paar Beispiele:

Tanzende Buchstaben

Fällt Dir etwas auf? Welche Spalte gefällt Dir am besten, welche gar nicht?

Die Möglichkeit, die Buchstaben selbst auch schon auf verschiedene Höhen zu verteilen, gibt uns die Chance auf schöne Variationen. Aber – fällt Dir am obigen Bild etwas auf? Wie findest Du die mittlere Zeile im Vergleich zur rechten? Sehen die Buchstaben in der rechten Spalte nicht irgendwie… komisch aus?

Ja! In der mittleren Spalte sitzt der erste Basisstrich HÖHER als der zweite. Die Buchstaben steigen also sozusagen eine Treppe hinab. In der rechten Spalte hingegen geht’s treppauf – und, Hand auf’s Herz, das sieht einfach nicht gut aus. Merke also: die Grundlinie innerhalb eines Buchstabens sollte immer von oben nach unten verlaufen.
(Eine Ausnahme bildet das m: hier folgen drei Abstriche aufeinander. Der Mittlere sollte gleich oder höher sein als die beiden anderen.)


Versuchen wir mal etwas anderes. Wir lassen nur die Buchstaben in sich tanzen, d.h. die Buchstaben mit zwei Basisstrichen sollen eine abwärts verlaufende Grundlinie bekommen. Die restlichen Linien bleiben auf der geraden Grundlinie sitzen. Das kann dann so aussehen:

 
Tanzende Buchstaben auf gerader Grundlinie
  Das sieht nicht nur besser aus, sondern ist auch noch viel leichter zu schreiben, als mein obiger Versuch mit der gewellten Grundlinie. Trotzdem kann das noch ein Wenig langweilig ausschauen. Ich male mir dieses mal eine Zickzacklinie, weil ich für mich festgestellt habe, dass das einfach besser funktioniert. Jetzt ein nächster Versuch – diesmal halte ich mich an die Regel der parallelen Winkel und an die oben genannte Treppenregel. Und das ist mein Ergebnis:

Die Buchstaben tanzen auf einer Zickzack-Grundlinie

Schon viel besser, oder? Mit einem einfachen Schnörkel ist das doch schon eine runde Sache. Und der Rest kommt mit dem Gefühl. Versuche es selbst! Male Dir eine Zickzack – oder Wellenlinie und denke an die zwei wichtigsten Regeln für’s Bouncen Lettering:

  • Die Winkel der Buchstaben bleiben parallel
  • Die Basisstriche eines Buchstaben gehen nur treppab, nie treppauf

Auch wenn Du Dich für die zweite Regel mal nicht an Deine vorgemalte oder gedachte Grundlinie halten kannst: die Regel ist wichtiger. Wenn es mit der Linie nicht klappt, versuche, sie breiter oder schmaler zu zeichnen, mit höheren oder flacheren Kurven. Eine gute Größe hast Du dann gefunden, wenn immer drei bis vier Basisstriche hintereinander treppab- oder Treppauf laufen. Bei manchen Buchstabenkombinationen wirst Du wegen Regel 2 nur zwei Stufen schaffen, z.B. wenn zwei n aufeinander folgen. Das macht nichts! Viel Spaß!

Bounce Lettering Workshop

 

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