Kundenkarten-Tasche nähen


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Kundenkarten-Tasche mit Druckknopf

Falls Dein Portemonnaie zu dick ist und aus allen Nähten zu platzen droht, liegt das wahrscheinlich nicht am vielen Bargeld. Zu Bankkarten, Personalausweis und Führerschein gesellt sich gern eine Menge Plastik im Scheckkartenformat, das viel seltener gebraucht wird. Nicht nur Kundenkarten, auch Gutscheine werden heutzutage gerne in dieser Form herausgegeben. Kein Wunder also, dass der Geldbeutel immer dicker wird und auch das schönste Rindsleder schnell an Schönheit verliert. Das passiert nicht, wenn Du alle Karten, die Du nicht täglich brauchst, in eine separate Kundenkarten-Tasche auslagerst…

 


 

Ich bekenne mich: ich habe getrennt! Weil mein Mann jedes Mal gemeckert hat, als er mein pralles Portemonnaie zu sehen bekam, habe ich kurzerhand alle Kundenkarten und Gutscheine heraussortiert. Lediglich meine Krankenkassenkarte, Personalausweis und Bankkarten sind drin geblieben. Den Rest habe ich immer dabei – aber in einer separaten Tasche. Tatsächlich brauche ich die Karten nur selten, deshalb habe ich den Schritt nie bereut und auch keine Karte zurück in meinen Alltags-Geldbeutel zurück geholt. Allerdings musste ich mir eine neue Brieftasche zulegen, denn sämtliche Fächer der alten waren ausgeleiert und das ganze Leder war deformiert…

Kundenkarten-Tasche mit Herz-Applikation

Kundenkarten-Tasche mit Herz-Applikation

Gut, und wo bekommt man so eine Kundenkarten-Tasche her? Natürlich wird sie selbst genäht! Du kannst Stoffreste verwerten, verschiedene Farben mischen und auch beim Verschluss Deiner Kreativität freien Lauf lassen. Wie Du eine solche Tasche mit 6 Fächern nähst, zeige ich Dir hier. Übrigens: falls Dein Portemonnaie tatsächlich so dick sein sollte, wie meines früher, dann stecken bei Dir wahrscheinlich auch mehr als eine Karte in einem Fach. Ebenso kannst Du auch in dieses Täschchen mehr als sechs Karten stecken ;)

Anleitung zum Nähen der Kundenkarten-Tasche

Material und Werkzeug

Beim Nähen der Täschchen ist mir eines ganz klar bewusst geworden: ohne mein Patchwork-Lineal würde ich wahrscheinlich die Krise kriegen. Wie bei vielen anderen Projekten auch habe ich jedes Stoffstück mit Lineal und Rollschneider zugeschnitten. Da ausschließlich Rechtecke gebraucht werden, gibt es kein Schnittmuster, das man auf den Stoff legt, um drumherum zu schneiden.  Statt dessen muss man immer wieder messen und darauf achten, dass die Schnittkanten schön parallel werden. Denn ohne Schnittmuster gibt es auch keine Nahtlinien, die man auf den Stoff übertragen muss. Statt dessen orientiert man sich beim Nähen immer an der Schnittkante des Stoffes. Eben deswegen ist es so wichtig, dass die Zuschnitte auch wirklich rechteckig sind.

Falls dies eines Deiner ersten Projekte sein sollte, könnte das sehr aufwendig klingen. Mit dem richtigen Werkzeug ist es aber nicht so. Diese Ausstattung verwende ich:

  1. Das besagte Quiltlineal ist 60 cm lang – genau wie meine Schneidematte. Ich würde keinen Zentimeter davon hergeben wollen – es sei denn, ich hätte nur einen sehr kleinen Arbeitsplatz. Da ich aber das Glück habe, auf einem großen Tisch zuschneiden zu können, gönne ich mir die 60 Zentimeter!
  2. Mein Rollschneider mit 4,5 cm Klingendurchmesser. Vorher hatte ich einen kleineren – Spielzeug! Den alten benutze ich nur noch zum basteln, dieser hier ist für mich zum Stoff zuschneiden optimal.
  3. Ohne Schneidematte nutzt der beste Rollschneider nichts. Hierzu gibt es nicht viel zu sagen – diese Größe sollte es aber schon sein (A3, 45 * 60 cm).
  4. Klein aber fein: das Handmaß liegt meistens neben meiner Nähmaschine und dient dort nicht nur zur Kontrolle, sondern auch zum Ausmessen kleinerer Abstände, um die Stoffe korrekt fest zu stecken.
  5. Schere, Stecknadeln, Nähmaschine usw. benutze ich natürlich auch…

Aber nun zum Material. Im Prinzip brauchst Du nur 5 Stoffstücke aus Baumwolle:

  • 1 Rechteck in der Größe 11,5 cm * 48 cm für die Außenseite
  • 2 Rechtecke in der Größe 11,5 cm * 22 cm und
  • 2 Rechtecke in der Größe 11,5 cm * 11 cm für die Einstecktaschen
  • Wenn Du möchtest: passende Stoffreste und Vliesofix für eine Applikation
  • Auch optional: Aufbügel-Vlies zur Verstärkung des Stoffes

Tipp

Wenn Du kein passendes Stoffstück in 48cm Breite zur Hand hast, Stoffreste verwerten möchtest oder einfach etwas Abwechslung in die Sache bringen willst, nähe Dir die Außenseite im Patchwork-Stil aus mehreren Stücken zusammen.

Schritt-für-Schritt Anleitung

Stoff zuschneiden

Wie du oben in der Materialliste siehst, sind alle benötigten Rechtecke 11,5 cm breit. Wenn Du für die Außenseite und die Einstecktaschen zwei verschiedene Stoffe zuschneiden willst, kannst Du wie folgt an die Sache rangehen: zuerst schneidest Du das große Rechteck (11,5 * 48 cm) aus dem Außenstoff. Jetzt schneidest Du ein weiteres Rechteck aus dem anderen Stoff in der Größe 11,5 cm * 66 cm. Diesen Streifen zerteilst Du dann in 2 * 22 cm und 2 * 11 cm.
Was ich damit sagen will: es ist einfach, erst die Streifen zuzuschneiden und dann daraus die Rechtecke abzuteilen. Wenn Du jedes Rechteck einzeln ausschneiden willst, machst Du Dir wahrscheinlich zu viel Arbeit.

Warum die Stoffe auf dem Bild solche Falten haben, erfährst Du im übernächsten Schritt („Stoff bügeln“).

Stoffezuschnitte für die Kundenkarten-Tasche

Stoff und Applikation vorbereiten

Wenn Du als Außenstoff einen sehr dünnen Stoff gewählt hast, bügle Aufbügle-Vlies auf die Rückseite. Während Du die nächsten Schritte machst, hat dieses hier Zeit zum Auskühlen.

Falls du eine Applikation aufbringen möchtest, bereite sie jetzt vor. Schneide den Stoff aus, lege Vliesofix drüber um die Form nachzuzeichnen, schneide sie aus und bügle das Vliesofix auf. Auch das kann jetzt auskühlen.

Stoff bügeln

Dies ist ein wichtiger Schritt, bitte überspringe ihn nicht.

  1. Falte die kleinen Stoffrechtecke (11,5 cm * 11 cm) an der 11 cm Kante, also so dass die 11,5 cm langen Kanten aufeinandertreffen – es entsteht ein Rechteck von 11,5 * 5,5 cm. Die rechte (schöne) Seite liegt dabei außen. Bügle den Stoff.
  2. Falte nun die mittelgroßen Stoffrechtecke so, dass die kurzen Kanten (11,5 cm) in der Mitte des Stoffes aufeinandertreffen. Es entstehen also zwei Knicke, das Ganze sollte aussehen wie die zwei Türen eines Kleiderschrankes, die sich in der Mitte öffnen lassen. Die schöne Seite liegt dabei außen. Bügle auch diesen Stoff. Auf dem oberen Foto siehst Du, wie die Falten beider Stoffrechtecke aussehen sollten.

Stoffe feststecken und Nähen

Kleine Stoffrechtecke

Lege das 48cm lange Rechteck für die Außenseite so vor Dich, dass die rechte Seite oben liegt. Nimm Dir die kleinen Stoffrechtecke zur Hand und lege sie so drauf, dass die gebügelten Falten wie auf dem Foto liegen: das linke Stoffstück hat die offene Seite links, das rechte entsprechend auf der rechten Seite. Der Abstand beider Stücke beträgt 2 cm, dabei befindet sich der Mittelpunkt zwischen den beiden Rechtecken bei 32cm, gemessen von der linken Kante des langen Außenstoffs. Die gebügelte Falte des linken Stoffstücks liegt also bei 31 cm, die des rechten bei 33 cm. Auf dem unteren Foto ist das ganz gut zu erkennen (achte mal auf das Lineal).

Nähe die beiden Stücke mit einem Abstand von 1 cm zur offenen Kante fest (1 cm Nahtzugabe). Das jeweils die Seite, wo im Bild die Stecknadeln stecken. Wenn Du einen dickeren Stoff verwendest, solltest Du die Nahtzugaben auf ca. 5 mm zurückschneiden.

Falls Du mehr als drei Fächer pro Seite nähen möchtest: lege jeweils die nächsten beiden kleinen Stoffrechtecken jeweils in einem Zentimeter Abstand zur Bügelfalte auf das bereits festgenähte Fach und nähe es ebenfalls mit einem Zentimeter Abstand zur offenen Kante fest.

Fächer feststecken

Applikation

Wenn Du auch eine Applikation aufbringen willst, ist dies ein guter Zeitpunkt dafür. Soll die Verzierung auf der Rückseite der Tasche sein, wenn sie geschlossen ist, dann platziere sie in dem Bereich von 9 bis 15 cm von der linken Kante des Außenstoffs gemessen. Die Herzen im Bild liegen genau dort.

Willst Du die Applikation vorne auf der Tasche haben, bringe sie im Bereich zwischen 17 cm und 23 cm auf. Bedenke aber, dass je nach Verschluss deiner Tasche auch ein Teil der Applikation verdeckt werden könnte. Falls Du die Tasche mit Klettverschluss versehen möchtest, solltest Du die weiche Seite des Kletts in diesem Bereich annähen.

Falls Du mehr als drei Fächer pro Seite nähen möchtest, verschiebt sich der Bereich für die Applikation pro Fächerpaar um je einen Zentimeter in beide Richtungen. Also für vier Fächer pro Seite statt drei muss die Applikation auf der Rückseite in dem Bereich zwischen 8 und 16 cm statt zwischen 9 und 15 cm liegen – sie kann also größer ausfallen, da auch die Tasche entsprechend größer wird!

Mittelgroße Stoffrechtecke

Nachdem die ersten beiden Fächer angenäht sind, folgen die mittelgroßen Stoffrechtecke. Lege sie so auf die beiden bereits festgenähten Fächer, dass die offene Kante oben liegt. Die Bügelfalten sind genau 1 cm voneinander entfernt, wie auf dem Bild zu sehen. Nähe die Stoffe nun mit 1 cm Abstand zur offenen Kante auf der Seite der Bügelfalte entlang fest. Das ist in etwa dort, wo im Bild die Stecknadeln sind. Auch hier kannst Du die Nahtzugabe zurückschneiden – vor allem, wenn der Stoff etwas dicker ist.

Fächer feststecken 2

 

Sind die beiden mittelgroßen Stoffrechtecke festgenäht, klappst du beide jeweils zur Mitte hin um. Die beiden Bügelfalten treffen dabei aber nicht aufeinander, sondern sollen wieder einen Abstand von 1 cm haben. Nähe nun an der äußeren Kante, also der gerade von Dir umgelegten Falte, knappkantig entlang. Es sollte so aussehen wie im nächsten Bild. Das Innenleben Deiner Tasche ist schon fertig.

Fächer festgenäht

Außenstoff umklappen und festnähen

Jetzt klappst Du den langen Stoffstreifen, auf den Du die Fächer und die Applikation genäht hast, etwa bei der Hälfte um, sodass die linke Seite außen liegt. Die Mitte muss ungefähr dort sein, wo Du die linke Fächergruppe angenäht hast. Orientiere Dich unbedingt an dieser Kante und klappe den Stoff so um, dass er schön straff an dieser Kante anliegt. Treffen die kurzen Kanten rechts nicht exakt aufeinander, macht das nichts. Stecke den Stoff fest. Es sollte so aussehen wie im nächsten Bild.

Außenstoff feststecken

Hast Du Dir überlegt, wie Du Deine Tasche verschließen möchtest? Du kannst sie wie einen Briefumschlag abschließen – mit einer Spitze Lasche zum Umklappen und einem Druckknopf daran. So habe ich es bei diesem Täschchen gemacht, deshalb sind die Ecken im Bild umgelegt. Ich hätte sie auch einfach abschneiden können, aber so ist die Spitze etwas verstärkt. Achtung: nicht alle Druckknöpfe halten bei so vielen Lagen Stoff. Wenn Du Dir nicht sicher bist, schneide die Ecken lieber ab.

Schneide nach dem Nähen die Nahtzugaben an den Ecken und der Spitze ab, damit sich die Ecken nach dem Wenden schön ausformen lassen.

Außenstoff festgenäht

 

Statt einer Spitze kannst Du natürlich auch eine Rundung nähen oder nur die Ecken abrunden. Zeichne Dir Deine gewünschte Form am besten vor und nähe Deine Tasche entsprechend. An dieser Stelle kannst Du auch ein Gummi mit einfassen, mit dem sich die Tasche später verschließen lässt.

Vielleicht möchtest Du an dieser Stelle eine Wendeöffnung unvernäht lassen und die Tasche anschließend von Hand vernähen. Die Tasche ist so konstruiert, dass man nicht mehr rundherum absteppen muss, sodass auch keine Nähte an der Außenseite zu sehen sind. Du kannst die Tasche aber auch völlig verschließen, ich zeige Dir weiter unten, wie Du die Tasche trotzdem wenden kannst.

Tasche wenden

Ich habe beim Festnähen des Außenstoffes keine Wendeöffnung offen gelassen, da ich weder die Tasche einmal rundherum absteppen noch sie per Hand vernähen möchte. Das eigentliche Design der Tasche ist so gedacht, dass außen keine Naht zu sehen ist. Wenn Du die Tasche sowieso klappkantig absteppen möchtest (das kann ja schließlich auch eine Zierde sein, z.B. mit Garn in Kontrastfarbe), dann lass ruhig eine Wendeöffnung und verschließe sie beim Absteppen mit.

Wendeöffnung schneidenDie Alternative: Du schneidest nachträglich eine Wendeöffnung in einen Bereich, den man später nicht sieht.

Ansonsten greifst Du jetzt zur Schere und passt gut auf, dass Du auf der richtigen Seite schneidest. Jetzt kommt nämlich eine Wendeöffnung hinter eines der Fächer, so dass man sie nicht sehen kann. Die richtige Seite ist die, auf der Du auch die Nähte der Fächer siehst. Schneide in etwa 1 cm Abstand zu einer der Nähte eine ca 4 cm lange Wendeöffnung. Du siehst meinen Schnitt rechts im nächsten Bild.

Wendeöffnung

Verschluss anbringen

Zu guter letzt bringst Du Deinen Verschluss an. In diesem Fall ist dies ein Druckknopf. Vielleicht hast Du aber auch schon ein Gummi mit eingefasst oder einen Klettverschluss vorbereitet. Ich zeige Dir ein paar Beispiele – mal mit Haargummi und Knopf, mal mit 6mm – Gummiband und Schrägband.

Kundenkarten-Taschen

Ich brauche mehr als sechs Fächer!

Wenn Du mehr als drei Fächer pro Seite haben möchtest, ist das gar kein Problem. Scheide einfach jeweils 2 weitere Rechtecke in der Größe 11,5 cm * 12 cm zu (ein Zusatzfach pro Seite) und rechne für den Außenstoff dafür 4 Zentimeter hinzu. Der Mittelpunkt der beiden ersten Rechtecke, die Du zum Annähen feststeckst, verschiebt sich dabei je 3 cm nach rechts. Bei zwei Zusatzfächern (=insgesamt 4 Fächer pro Seite statt  3) liegt der Mittelpunkt also bei 35 cm statt bei 32. Für vier Zusatzfächer muss der Außenstoff 56cm lang sein, der Mittelpunkt verschiebt sich zu 38cm. So kannst Die Fächer werden wie gehabt im Abstand von 1 cm angenäht. So kannst Du Deine Kundenkarten-Tasche nach Belieben vergrößern!

Tasche für Gutscheine, Kunden- und Treuekarten

 

 

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