Babyschuhe selbst genäht


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Babyschuhe

Babyschuhe sind sowieso immer niedlich, aber die selbst genähten Exemplare sind einfach zum Dahinschmelzen. Man kann sie wunderbar verschenken – zur Geburt, zur Taufe oder einfach zwischendurch. Wenn man selbst ein kleines Küken zu Hause hat, noch besser: dann kann man auch mal nachmessen und sicherstellen, dass der Schuh am Ende gut passt.

Praktisch: man kann wunderbar seine Stoffreste verwerten, denn sämtliche Teile sind relativ klein. Einfacher macht das das Nähen der kleinen Stoffslipper, Ballerinas und Sandalen aber nicht. Ein schmales Riemchen von links auf rechts zu wenden kann einem schon mal den letzten Nerv rauben, oder?


Aber fangen wir mal ganz von vorne an. Zunächst braucht man natürlich ein Schnittmuster bzw. ein schönes Modell, das man nähen möchte. Ich habe hierfür zuerst einen Krabbelschuh meiner Tochter genommen und daraus ein Schnittmuster erstellt. Da es ein Lederschuh ist, besteht es praktisch nur aus drei Teilen und einem kleinen Gummi. Das Ergebnis war ganz nett, also wollte ich mich an weitere Modelle ranwagen.


Nach einigem Stöbern habe ich mich für das Buch Babyschühchen nähen entschieden. Es ist von Julia Bräunig, die ihr vielleicht schon aus ihrem Blog Kreativlabor Berlin kennt. Babyschuhe sind ihre Leidenschaft und die Exemplare sind wirklich total niedlich. Bei manchen Büchern mit DIY-Ideen stelle ich fest, dass ich mich wegen des Bildes auf dem Cover für das Buch entschieden habe und genau das das einzige ist, was ich aus dem Buch dann auch wirklich nachmachen möchte. Bei diesem Buch ist es anders – da hat jedes Modell etwas für sich, ich kann mich kaum entscheiden =D

Bei den Anleitungen ist der Schwierigkeitsgrad mit angegeben, was mich als Anfängerin in Sachen Babyschuhe sehr gefreut hat. Auch hab ich mich so mit der Entscheidung leichter getan: da gerade Sommer ist und die Sandalen den niedrigsten Schwierigkeitsgrad haben, begann ich also mit diesem Exemplar.

Für die Schnittmuster ist im Buch übrigens eine Klarsichthülle eingebracht, sodass man es nur ein Mal heraustrennen muss und dann ordentlich im Buch verwahren kann. (Merkt man jetzt schon, dass ich ziemlich pedantisch sein kann?) Da ich die Schnittteile immer auf Transparentpapier übertrage, freut mich das gleich doppelt: meine Schnitteile landen nämlich ebenfalls in der Klarsichthülle.

Vom Schnittmuster zum Babyschuh

Jeder wird so seine eigenen Gewohnheiten haben, mit Schnittmustern und Nähanleitungen umzugehen. Ich mache so etwas wie folgt:

  1. Schnittmuster auf Transparentpapier übertragenIch lege Transparentpapier auf jedes Schnittteil und pause es ab. Dabei übertrage ich auch alle Markierungen. Besonders auffällig markiere ich Kanten, die im Stoffbruch gelegt werden müssen und Säume, wo größere Nahtzugaben nötig sind, damit ich es nicht übersehe oder vergesse. Bei den Babyschuhen kommt das recht selten vor. Hier könnte man allerdings auf die Sohle schreiben, dass man den Stoff doppelt legen muss (rechts auf rechts), um eine linke und eine rechte Sohle zu bekommen.
    Außerdem schreibe ich auf jedes Teil, was es ist, aus welchem Buch oder Heft ich es habe und welche Größe es ist. Wenn ich nicht gerade schreibfaul bin, notiere ich auch noch, wie viele Teile aus welchem Stoff mit der jeweiligen Schablone angefertigt werden müssen. Alle Teile werden natürlich ausgeschnitten und zurecht gelegt.
  2. Augeschnittenes Schnittmuster auf Stoff gepinntJetzt pinne ich mit Stecknadeln die ausgeschnittenen Papier-Teile auf die jeweiligen Stoffe. Praktisch: man kann durch das Papier hindurch das Muster sehen und das Schnittteil so exakt ausrichten. Ich schneide oft zwei Teile gleichzeitig, damit es schneller geht ;)
    Im Buch „Babyschühchen nähen“ sind die Nahtzugaben bereits in den Schnittmustern enthalten. Deshalb schneide ich nah am Transparentpapier entlang. Wenn ich hingegen noch eine Nahtzugabe hinzufügen muss, nehme ich mein Handmaß und markiere mir alle paar Zentimeter den Abstand zur Schablone, bevor ich zur Schere (für kleinere Teile) oder Rollschneider greife.
    (An dieser Stelle bin ich weniger pedantisch als man meinen könnte: ich schneide die Teile sehr exakt zu, um mir die Übertragung der Nahtlinie zu sparen. An der Nähmaschine passe ich also auf, dass ich den richtigen Abstand zum Rand einhalte, anstatt mit der Nadel eine Linie zu verfolgen. Diese Angewohnheit habe ich wahrscheinlich vom Patchwork und sie ist auch nicht immer anwendbar.)
  3. Markierungen übertrage ich entweder mit dem Zauberstift (die Markierung verschwindet ziemlich schnell wieder, man kann das also nur bei Teilen machen, die man auch bald vernäht!) oder mit einem kleinen Einschnitt in den Rand. Das geht schneller, als Stecknadeln einzustechen, denn man kann den Einschnitt machen, solange die Schablone noch auf den Stoff gepinnt ist und erwischt auch alle Stofflagen gleichzeitig. Wichtig ist, den Einschnitt nur ganz klein zu machen. Keine Sorge, 2 Millimeter reichen völlig, um die Stelle wiederzufinden.
    Jetzt kann die Schablone vom Stoff entfernt werden. Ich werfe nie eine Schablone weg sondern bewahre sie in Klarsichthüllen auf, um sie wiederverwenden zu können. Sonst wäre die ganze Beschriftung am Anfang ja auch überflüssig gewesen ;)

Die Babyschuhe sind genäht

Baby-Sandalen
Jetzt kann es endlich ans Nähen gehen – manche lieben das Ausschneiden, andere das Bügeln, aber ich sitze am liebsten an der Nähmaschine. Im Buch gibt es bebilderte Grundanleitungen, die für alle Schuhe gelten. Die einzelnen Modelle sind dann noch einmal ganz genau verbal beschrieben. Ich hatte nicht die in der Anleitung vorgegebenen Vlies-Materialien zu Hause, deshalb habe ich sie durch dickeres Volumenvlies ersetzt. Ging auch ;)

Beim Anprobieren der fertigen Sandalen hat sich herausgestellt, dass sie noch etwas zu groß sind. Meine Tochter ist 11 Monate jung und hat eigentlich die in der Anleitung angegebene Schuhgröße. Aber die Füßchen tendieren dazu, vorne aus dem Peephole herauszurutschen. Das mag auch an dem etwas engen Gummi liegen. Beim nächsten Mal würde ich es etwa einen Zentimeter länger lassen. Hoffentlich wächst sie noch hinein, bevor der Sommer vorbei ist ;) Würde meine Kleine die Schuhe nicht ständig abziehen, um sie zu untersuchen, könnte sie sie aber ruhig tragen, solang sie im Kinderwagen sitzt. Zum Laufen eignen sie sich weniger.

Sandalen am Babyfuß

Es musste also noch ein Paar Babyschuhe her, in dem meine Kleine auch ein paar Schritte tun kann. Ich habe nun ein Modell mit höchstem Schwierigkeitsgrad gewählt. Zugegeben, es gibt mehr zu tun, aber auch das Resultat kann sich sehen lassen. Ich habe Oberseite ein bisschen länger gelassen, d.h. die Öffnung ist ein bisschen kleiner. Diesmal wollte ich sicher gehen, dass der Fuß nicht heraus rutscht. Die Schleifchen und Dekoknöpfe habe ich erstmal weggelassen, da der alte Bettwäsche-Stoff meiner Meinung nach auch so wirkt. Ach Quatsch, es war schon mitten in der Nacht und ich wollte fertig werden. Was meint ihr, ohne Schleifchen geht’s doch auch, oder?

Babyschuhe

Die Anleitung für die eigentlich festlich aussehenden Babyballerinas (mit dem richtigen Stoff und den fehlenden Schleifchen sehen die Schühchen tatsächlich ganz festlich aus) war trotz des hohen Schwierigkeitsgrades bis auf eine Formulierung ebenso leicht nachvollziehbar wie die für die Sandalen. Ich bin mit dem Ergebnis ganz zufrieden, obwohl ich im Nachhinein anstelle der Druckknöpfe lieber einen Klettverschluß verwendet hätte. So könnte ich das Riemchen bei Bedarf enger machen. Im Moment passen die Schuhe optimal, wenn meine kleine Maus Socken anhat.

(Welche Formulierung? „An der Ferse die Nahtzugabe auseinander klappen“. Gemeint ist die Nahtzugabe des vorher genähten Schuhteils. Wenn man über die Nahtzugabe näht, soll diese eben aufgeklappt sein. Aber das ist sie ohnehin, wenn man sie getreu der Anleitung auseinander gebügelt hat.)

Fazit: das Buch Babyschühchen nähen ist sein Geld wert (ist auch nicht wirklich teuer), denn die Ideen sind vielfältig, machbar und schön. Jungs und Mädels werden gleichermaßen bedacht und es gibt Schuhe für jede Jahreszeit. Meiner Meinung nach eine gute Investition.

Material

Mir geht es oft so: ich sehe eine Anleitung oder bekomme ein Buch, das ich bestellt habe, per Post und will sofort loslegen. Zwar habe ich eine Menge Materialien wie Stoffe und Vliese bereits zu Hause. Trotzdem fehlt häufig aber etwas aus der Materialliste. Das hält mich zwar meistens nicht davon ab, sofort loszulegen und die fehlenden Dinge durch Alternativen zu ersetzen. Leider wird das Ergebnis dadurch aber manchmal nicht perfekt oder ich habe viel Zusatzarbeit. Das ein oder andere Werk ist sogar total mißraten, weil ich nicht den passenden Ersatz hatte…

Das soll Dir nicht passieren! Folgende Zutaten solltest Du für Deinen ersten Babyschuh vorrätig haben, wenn Du nach der Anleitung in Julia Breunings Buch Babyschühchen nähen vorgehen möchtest:

  1. Stoff
    Meist genügt Baumwollstoff in zwei verschiedenen Farben zu je 30 x 50 cm. Es gibt auch je ein Modell aus Fleece, Filz oder Sweatshirtstoff. Sogar Veloursleder und Leinen werden verarbeitet. Mit 30 x 60 cm des jeweiligen Stoffes ist man gut beraten.
    Fast alle Modelle bestehen aus Oberstoff und Futterstoff, also muss man beides parat haben. Es sieht oft schön aus, wenn das eine Material gemustert ist und das andere unifarben. Ich habe eine Variante mit Outdoorstoff als Sohle genäht – es ist etwas robuster und sieht auch gut aus.
    Das passende Nähgarn nicht vergessen!
  2. Verstärkung
    Während die Leder- und die Fleeceschuhe ganz ohne Verstärkung auskommen, werden die anderen Babyschuhe mit aufbügelbarer Vlieseline Vliesofix verstärkt. Hier braucht man je Schuh maximal:

    • ca. 25 x 30 cm Volumenvlies H630 und
    • ca. 40 x 55 cm Bügeleinlage H250.

    Wenn Du nachlesen willst, wie sich die Einlagen unterscheiden, kannst Du Dich bei einem der führenden Hersteller (Vlieseline) umschauen. Hier gibt es Infos zu VIieseline Vliesofix H630 und Vlieseline Bügeleinlage H250.

    Manche Schuhe brauchen gar kein H630, andere nur die Hälfte der oben angegebenen Menge an H250. Bloß, falls Du Dich für alles wappnen willst ;) Wenn Du das Buch bei amazon bestellst, möchtest Du das Volumenvlies und die Bügeleinlage vielleicht gleich mitbestellen.

  3. Verschlüsse
    Man muss natürlich nicht alles genau so machen, wie es im Buch steht. Vielleicht möchtest Du mal einen Klettverschluß anbringen, wo eigentlich ein Knopf vorgesehen ist. Wie auch immer Deine Vorlieben sind: für die Babyschuhe können folgende Dinge nötig sein:

    • Ösen und Schleifenband (als Schnürsenkel)
    • Druckknöpfe
    • Klettverschluss
    • Knöpfe

Übringes…

Ich habe mich an den ersten Babyschuh heran getraut, als mein Töchterchen schon 10 Monate und der Sohnemann über zwei Jahre alt war. Viel zu spät eigentlich, denn die Schnittmuster für Babyschuhe gibt es oft nur für Kinder bis zu einem Jahr. Klar, dass Stoffschuhe für draußen nicht besonders gut geeignet sind, sobald die Kinder selber laufen können. Aber für zu Hause oder den Kindergarten gibt es kaum etwas besseres als Socken oder Stoffschuhe, solange sie nicht rutschig sind. Denn bekanntlich behindern feste Sohlen am Schuhwerk des Kindes die Entwicklung der kleinen Füßchen ungemein. Deshalb sollten Kinder ja so viel wie möglich barfuß laufen. Darum wird das nächste Modell, das ich nähe, mindestens Größe 26 haben – und wenn ich es selbst entwerfen muss ;)

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